Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz e.V.
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Gesund aufwachsen – Gesundheitsförderung in Kita, Schule und Familie

Von der Fußmessung zur Resilienzförderung – in ihrem Einsatz für die Gesundheit von Kindern und Jugendlichen hat die LZG im Laufe der Zeit eine große Bandbreite an Themen abgedeckt. Setzt sie in den 1970er Jahren auf reine Wissensvermittlung per Faltblatt und Broschüre, verfolgt sie heute einen umfassenderen Ansatz und betrachtet Familie, Kita und Schule als ganzheitlichen Lebensraum, in dem Kinder gesund aufwachsen sollen.

Je früher, desto besser

Titelbild eines Flyers mit dem Titel "Kinderfüße sollen gesund bleiben".
©LZG-Archiv

Von Anfang an gehört die Gesundheit von Kindern und Jugendlichen zu den Schwerpunkten der LZG – schließlich soll Gesundheitsförderung früh einsetzen, um nachhaltig wirken zu können. So ruft in den 1970er Jahren eine Kampagne mit Postern und Faltblättern in sieben Sprachen dazu auf, die seit 1971 verpflichtenden Kindervorsorgeuntersuchungen zu nutzen. Groß angelegt ist auch eine Kinderfußmessaktion zur Vorbeugung von Fußschäden durch schlecht passende Schuhe: In 18 rheinland-pfälzischen Städten werden 1.700 Kinderfüße vermessen. Drucksachen in Tausenderauflage verbreiten Wissen, sei es zur „Reifung des Kinderfußes“, zum richtigen Frühstück oder zur Zahngesundheit. Mit einer Auflage von 42.000 Exemplaren gehört das Faltblatt „Babygeräte: Tragetuch, Wippliege, Rückentrage, Babyhopser, Lauflerngerät, Buggy, Kinder-Autositz“ zu den Spitzenreitern.

Gesundheitserziehung als Unterrichtsstoff

In den 1980er Jahren nimmt die LZG verstärkt die Schulen als Lernorte für gesundes Verhalten in den Blick. „Der Lehrer“ gilt als die zentrale Figur, über den man Einfluss auf das Gesundheitsverhalten von Kindern nehmen kann. Neben dem Gesundheitsministerium ist das Bildungsministerium ein wichtiger Kooperationspartner. Fortbildungen sollen Lehrkräfte dazu befähigen, Schülerinnen und Schüler mit pädagogischen Mitteln für ihre Gesundheit zu sensibilisieren. „Nur mit ihrer Einsicht und Hilfe kann Gesundheitserziehung Teil der grundlegenden Bildungsarbeit der Schule werden“, heißt es im Jahresbericht 1986 zur Rolle der Lehrkräfte.

Neben der allgemeinen Gesundheitserziehung widmen sich die Fortbildungen der Suchtprävention, der Sexualerziehung und Themen wie AIDS oder gesunde Ernährung. Bald stehen auch Angebote zu Umwelterziehung sowie Gewässer- und Bodenschutz auf dem Programm und werden stark nachgefragt – ein Zeichen dafür, dass Gesundheit immer mehr im gesellschaftlichen Gesamtzusammenhang gesehen wird. 1986 stellt die Ottawa-Charta der WHO fest: „Gesundheit wird von Menschen in ihrer alltäglichen Umwelt geschaffen und gelebt.“

Auf große Resonanz stößt ein „Lehrerinformationszentrum“ in den Räumen der LZG. Lehrkräfte aus dem ganzen Land leihen hier Unterrichtshilfen, Demonstrationsgeräte, Untersuchungskoffer zu Umweltthemen sowie Fachbücher aus.

In der zweiten Hälfte der 1980er Jahre starten die ersten Schulprojekte. Sie haben nicht mehr nur die Lehrkräfte im Blick, sondern die ganze Schule. Bei Aktionstagen wie „Unser gesundes Schulfrühstück“ machen die Schülerinnen und Schüler begeistert mit. 1.700 Einsendungen aus 170 Schulklassen im Rahmen des Wettbewerbs „Nichtraucher bleiben – Ohne Rauch geht’s auch“ zeigen, dass die Einbeziehung der Kinder und Jugendlichen der richtige Weg ist.

Durch Partizipation zur Gesundheitskompetenz

Eine Lehrerin ist umringt von Kindern und liest aus einem Buch vor.
©contrastwerkstatt/Fotolia.com

In den 1990er Jahren wird das Mitmachen zum zentralen Element der Prävention: Kinder sind beteiligt, wenn aus dem Schulkiosk eine gesunde „Oase für die Pause“ wird. Sie regenerieren in aktiven Bewegungspausen, legen Schulgärten an und knüpfen Kontakte zu regionalen Lebensmittelerzeugern. In einer Zukunftswerkstatt erarbeiten Schülerinnen und Schüler, Eltern und Lehrkräfte gemeinsam konkrete Veränderungen für den oft als belastend empfundenen Schulalltag. Lehrkräfte, Erzieherinnen und Erzieher erhalten Schulungen zu erlebnispädagogischen und gestaltpädagogischen Methoden. Auch ihre eigene Gesundheitskompetenz wird gestärkt, denn sie sollen schließlich Vorbild sein. Kita und Schule sind im Idealfall gemeinsamer Lebensraum, in dem die Gesundheit aller gefördert wird. Kinder sollen hier die Chance haben, eigene gesunde Lebenskonzepte zu entwickeln und zu erproben.

Gesundheit geht gemeinsam besser

Zur Jahrtausendwende hin entwickelt sich die Netzwerkarbeit. So koordiniert die LZG von 1997 bis 2000 den Modellversuch OPUS (Offenes Partizipationsnetz und Schulgesundheit) in Rheinland-Pfalz. Ziel ist es, Schulen bei der Entwicklung eines eigenen Schulprofils zur Gesundheitsförderung zu unterstützen, den Informations- und Erfahrungsaustausch anzuregen und gemeinsame Fortbildungen zu ermöglichen.

2003 ist das Geburtsjahr des Modellprojekts Gesund leben lernen – Netzwerk Schulen für Gesundheit 21, das diese Arbeit fortsetzt. 50 Schulen beteiligen sich und werden bei der Entwicklung praxistauglicher Modelle zur Gesundheitsförderung fachlich begleitet. Die LZG übernimmt die Koordination und leistet bis heute Vernetzungsarbeit.

Immer am Puls der Zeit

Wie die Methoden entwickeln sich auch die Inhalte weiter und greifen aktuelle Trends auf. Im Jahr 2000 befassen sich im Rahmen einer Themenreihe zu Körperkult und Körperbewusstsein 200 Teilnehmende auf einer Fachtagung mit „Piercing und Tattoo“. Weitere Themen wie „Mode und Schönheit“, „Extremsport“ und „Stress bei Jugendlichen“ folgen. Angesichts der steigenden Zahl übergewichtiger Kinder und Jugendlicher wird 2002 mit Beteiligung der LZG dasAdipositasnetzwerk Rheinland-Pfalz gegründet. Im Umfeld der Kinderliedertour „Nase, Bauch & Po“ der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) koordiniert die LZG 2005 begleitende Veranstaltungen zur körperfreundlichen und selbstbestimmten Geschlechtserziehung.

In den Folgejahren rücken ADHS, Impfen und Medienkonsum in den Blick. Auch die seelische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen findet immer mehr Beachtung und mündet 2011 in die Fortbildungsreihe für Lehrkräfte „Wahrnehmen – Erkennen – Handeln“. Sie wird seither regelmäßig angeboten und stark nachgefragt. Weitere Workshops zu psychischen Problemen und Verhaltensauffälligkeiten im Kindes- und Jugendalter kommen dazu. Die Sexualerziehung in Kita und Schule, verstanden als Hinführung zu verantwortungsbewusstem geschlechtlichem Verhalten, wird in Form von Fortbildungsangeboten für Lehr- und pädagogische Fachkräfte ebenso zum kontinuierlichen Thema der LZG. Bundesweite schulische Gesundheitsförderungsprogramme, wie das Programm Klasse2000 zur Gewalt- und Suchtvorbeugung in der Grundschule sowie das Programm MindMatters zur Förderung der psychischen Gesundheit in der Schule, unterstützt die LZG in ihrer Umsetzung in Rheinland-Pfalz.

Gesundheitskompetenz in die Familien tragen

Logo von "Viva Fmilia". Verpixelt dargestellte Menschen mehrerer Generationen mit dem Schriftzug: ...damit es Famlilien in Rheinalnd-Pfalz gut geht!"

Gerade Familien in sozial schwierigen Lebenslagen fällt es oft schwer, einen gesundheitsförderlichen Alltag zu gestalten. Mit dem Ziel, Eltern zu unterstützen und die Gesundheit der ganzen Familie langfristig zu stärken, ruft die LZG 2004 im Rahmen der Landeskampagne VIVA FAMILIA das Projekt Elternschule für eine gesunde Familie ins Leben. Bis 2010 bietet sie in vier rheinland-pfälzischen Großräumen über 250 Veranstaltungen in Kitas an – immer zusammen mit regionalen Partnern und der lokalen Zeitung. Behandelt werden die Themen der Zeit: Ernährungs- und Bewegungsverhalten, seelisch-emotionale Entwicklung, Impfen, ADHS und Medienkonsum. Über die Wahl der Standorte ist es möglich, benachteiligte Familien oder Alleinerziehende gezielt zu erreichen.

Gesundheitsförderung als Service-Angebot

VIVA FAMILIA ist auch der Rahmen für die 2005 in der LZG eingerichtete Servicestelle für Lokale Bündnisse. Bis 2011 begleitet die LZG die Entwicklung von 39 Bündnissen für Familie, in denen sich Kommunen, Vereine, Kirchen, Unternehmen und andere Organisationen vernetzen, um in partnerschaftlicher Zusammenarbeit Familien zu stärken.

Ein besonderes Angebot der Servicestelle ist der Familienservice. Auf einer eigenen Webseite liefert er Antworten auf vielfältige Fragen zur gesunden Lebensgestaltung in Familien. Monatlich wechselnde Themen werden umfassend behandelt: mit Informationen und praktischen Tipps, Experteninterviews, Hintergrundberichten, Literaturhinweisen und einer individuellen E-Mail-Beratung. Für regen Besuch auf der Webseite sorgt 2011 die Aktion „Gesundheit in Tüten“: Rheinland-pfälzische Bäckereien verpacken ihre Brötchen in Tüten, auf denen Comicfiguren augenzwinkernd die Bedürfnisse der verschiedenen Generationen beim Frühstück verkörpern – und gleichzeitig auf den Webauftritt des Familienservice aufmerksam machen.

Schatzsuche – stark werden in der Kita

Holzkiste mit Flyern: "Schatzsuche"
©Dennis Möbus

Das Programm Schatzsuche richtet sich an die Eltern von Kita-Kindern in Rheinland-Pfalz. Es wurde von der Hamburgischen Arbeitsgemeinschaft für Gesundheitsförderung e.V. (HAG) entwickelt und wird seit 2017 von der Techniker Krankenkasse in Rheinland-Pfalz gefördert. Der Schwerpunkt des Eltern-Bildungsprogramms liegt auf dem seelischen Wohlbefinden und speziell der psychischen Widerstandsfähigkeit von Kindern. Eltern und pädagogische Fachkräfte werden für die kindlichen Bedürfnisse sensibilisiert und zu einer positiven Sichtweise motiviert: Statt die Defizite der Kinder in den Mittelpunkt zu stellen, sollen sie deren Ressourcen erkennen und als „Schätze“ in den Blick nehmen. Potenziale, Fähigkeiten und Talente der Kinder sollen identifiziert und gestärkt werden, um so langfristig die Resilienz und seelische Gesundheit zu fördern.  

Das darauf aufbauende Eltern-Programm Schatzsuche – Schule in Sicht für Kindertagesstätten geht noch einen Schritt weiter. Hier steht die Förderung des seelischen Wohlbefindens von Familien am Übergang ihrer Kinder in die Grundschule im Fokus. Seit 2021 setzt die LZG, ebenfalls gefördert von der Techniker Krankenkasse, das Programm in Rheinland-Pfalz um.

Besser lernen dank Schulgesundheitsfachkräften

Eine Tür beklebt mit Plakaten und der Aufschrift " Schulkrankenschwester".
©LZG

Wie wichtig die Gesundheitssituation für das Lernen ist, zeigt seit 2022 das Projekt „Schulgesundheitsfachkräfte“. 26 Schulkrankenschwestern leisten an Grundschulen im ganzen Land Erste Hilfe bei kleinen Unfällen, kümmern sich um chronisch kranke Schülerinnen und Schüler und verabreichen Medikamente. Sie haben das Ohr am Herz der Kinder und können so früh erkennen, wenn die Kleinen etwas bedrückt. Schulgesundheitsfachkräfte sind Lotsinnen für weitere ärztliche Behandlungen und andere Hilfsangebote. Außerdem unterstützen sie die Lehrkräfte und beraten Eltern. Für das wegweisende Projekt kooperiert die LZG mit dem Bildungsministerium und der Universitätsmedizin Mainz, die die wissenschaftliche Begleitforschung übernimmt. Das Projekt trifft auf allen Seiten auf Zustimmung. Es führt zu weniger Fehlzeiten und besseren Lernvoraussetzungen und ebnet damit den Weg zu mehr Chancengleichheit auf Bildungserfolg.

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