Gesundheit, здоро́вье, sağlık – Prävention für Menschen mit Migrationshintergrund
Rund 17 Prozent der Menschen in Rheinland-Pfalz haben 2010 eine Zuwanderungsgeschichte – und ein Problem mit dem deutschen Gesundheitssystem. Sie nehmen dessen Angebote, auch solche zur Vorsorge und Früherkennung, eher selten in Anspruch. Ebenso fehlt ihnen oft wichtiges Wissen über Faktoren, die krankmachen, und solche, die gesund halten. Mangelnde Kenntnis kultureller Besonderheiten auf Seiten der Medizin und kulturbedingt unterschiedliche Auffassungen von Krankheit und Gesundheit kommen erschwerend hinzu.
Um es dieser großen Bevölkerungsgruppe zu erleichtern, ihr Recht auf chancengleichen Zugang zu Gesundheitsinformationen und Gesundheitsdienstleistungen wahrzunehmen, wird 2010 das Projekt Prävention für Menschen mit Migrationshintergrund mit dem Schwerpunkt Diabetes ins Leben gerufen.
Am Anfang steht die Fortbildung von medizinischem Fachpersonal. In Fachforen erläutern Referentinnen und Referenten mit Migrationsgeschichte, welche Rolle kulturelle Unterschiede, sprachliche Barrieren und Differenzen in der Wahrnehmung von Körper und Seele bei der Behandlung von Menschen mit anderem kulturellen Hintergrund spielen.
Im nächsten Schritt baut die LZG fünf regionale Netzwerke zur Gesundheitsförderung von Menschen mit Migrationshintergrund auf. Personen, Institutionen und Dienstleistende aus den Bereichen Gesundheit, Migration/Integration, Kultur, Politik, Wirtschaft und Medien schließen sich zusammen, um langfristig wirksame Strukturen zu etablieren.
Gleichzeitig werden Gesundheitsmediatorinnen und -mediatoren zu Themen wie Diabetes, Krebs, Ernährung, Bewegung, seelische Gesundheit, Demenz, Stressbewältigung und Suchtprävention geschult. Sie initiieren beispielsweise Gesundheitspartys, bei denen im Freundes- oder Familienkreis präventives Verhalten praktisch erlebbar gemacht wird.
Praktische Bedeutung hat auch der Aufbau eines mehrsprachigen Web-Angebots zu Gesundheitsthemen. Kultursensibel aufbereitet, präsentiert eine Website Informationen zu den häufigsten Erkrankungen und gibt Tipps zur eigenen Gesundheitsförderung. Und sie vermittelt Orientierung im oftmals als unüberschaubar empfundenen deutschen Gesundheitssystem – denn nur wer sich auskennt und sich verstanden fühlt, kann gesund bleiben und gesund werden.
©LZG-Archiv
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