Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz e.V.
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Gesundheitliche Chancengleichheit im Blick – Die Kommune als zentraler Ort der Gesundheitsförderung für alle

Die sozialen Umstände, unter denen Menschen leben, haben Auswirkungen auf ihre Gesundheit. Es ist ein wichtiges Ziel der Gesundheitsförderung, diesen Zusammenhang zwischen sozialer Lage und dem Risiko, zu erkranken oder früher zu sterben, aufzubrechen. Während die LZG zunächst die Gesundheitsförderung von Kindern in sozial benachteiligten Lebenslagen in den Mittelpunkt stellte, nehmen heute Gesundheitsangebote für erwerbslose Menschen großen Raum ein. Die Kommune als Lebensumfeld, in dem die Gesundheit aller gestärkt werden kann, hat mit dem Präventionsgesetz an Bedeutung gewonnen.

Gesundheitsförderung als Chance

2006 gründet die LZG mit Partnerinnen und Partnern aus Landesministerien, Sozialversicherungsträgern und Verbänden das Netzwerk Regionaler Knoten Rheinland-Pfalz und übernimmt dessen Koordination. Der Regionale Knoten soll Akteurinnen und Akteure in den Austausch bringen, die in der Gesundheitsförderung von sozial benachteiligten Menschen arbeiten. Er soll Projekte zur Förderung gesundheitlicher Chancengleichheit initiieren, begleiten und ihre Verbreitung unterstützen.

   

Aus dem Regionalen Knoten wird später die Koordinierungsstelle „Gesundheitliche Chancengleichheit“

Mit dem Schwerpunkt „Förderung von Kindergesundheit in sozial benachteiligten Lebenslagen” versteht sich der Regionale Knoten in den ersten Jahren vor allem als fachlicher Multiplikator für Fachkräfte und Institutionen, die mit Kindern und Jugendlichen arbeiten, welche aufgrund ihrer Lebensumstände einem erhöhten Krankheitsrisiko ausgesetzt sind. Inhaltlich geht es um Bewegungsförderung, gesunde Ernährung, körperlich-seelische Entwicklung, Wohnen und Wohnumfeld, psychosoziale Netze und Familie, Vorsorgeuntersuchungen und Impfen, Risikoverhalten im Kindes- und Jugendalter, Unfallgefährdung und sozialstrukturelle Lebensbedingungen.

©cocoparisienne/pixabay

Ganzheitliche Angebotsstruktur

„Zugänge öffnen und gestalten“ – das Motto der ersten Fachtagung charakterisiert die Arbeit der folgenden Jahre. Um diesen Anspruch zu erfüllen, soll Gesundheitsförderung als Querschnittsaufgabe etabliert werden. Bestehende Projekte, Netzwerke und andere lokale Unterstützungsaktivitäten werden erfasst und themenorientiert begleitet. Potenziale und Synergien werden aufgezeigt und Innovationen gefördert.

Dazu gehört auch, erfolgreiche Projekte und Arbeitsweisen zum Abbau gesundheitlicher Ungleichheiten zu identifizieren und als vorbildhafte Praxis bekannt zu machen. Die zwölf Good Practice-Kriterien des damaligen bundesweiten Kooperationsverbunds Gesundheitsförderung bei sozial Benachteiligten dienen der Orientierung. Sie verdeutlichen, was erfahrungsgemäß als gute und nachahmenswerte Praxis in der Gesundheitsförderung angesehen werden kann. Herausragende Beispiele helfen kommunalen Akteurinnen und Akteuren, ihre Angebote zu optimieren, sie zu strukturieren und in ein Gesamtkonzept einzubinden, das im Idealfall die komplette Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen umfasst.

Lebensweltbezogene Fortbildungen

Fachleute und Interessierte aus allen Bereichen des Sozial- und Gesundheitswesens widmen sich auf den jährlichen Fachtagungen des Regionalen Knotens relevanten Aspekten der gesundheitlichen Chancengleichheit, etwa der Rolle der Migrationsgeschichte, Fragen der Teilhabe, des gesunden Essens, der Armutsprävention oder und der Resilienzförderung bei arbeitslosen Jugendlichen. Die Teilnehmenden lernen gute Praxisbeispiele kennen, können ihre Erfahrungen austauschen und sich vernetzen.

Mit Fortbildungen für die Beschäftigten werden in einem durch das Bildungsministerium geförderten Projekt auch die Spiel- und Lernstuben unterstützt. Sie arbeiten familien-, stadtteil- und sozialraumorientiert und sind in Gebieten angesiedelt, in denen gehäuft Lebensbedingungen vorzufinden sind, die das Wohlergehen von Kindern negativ beeinflussen können. Bewegung, Ernährung, psychische Stabilisierung und die Förderung der Elternkompetenz sind hier Ansatzpunkte für Gesundheitsförderung.

Gesundheitliche Chancengleichheit statt Stigmatisierung

Aus dem Regionalen Knoten wird 2013 – als Bestandteil des ebenso umbenannten bundesweiten Kooperationsverbunds Gesundheitliche Chancengleichheit – die Koordinierungsstelle Gesundheitliche Chancengleichheit (KGC) Rheinland-Pfalz. Die Umbenennung ist mit einer Öffnung zur Gesundheitsförderung für alle sozial benachteiligten Gruppen verbunden. Sie ist Ausdruck einer ressourcenorientierten und positiven Ausrichtung, die nicht Defizite benennt, sondern Chancen schaffen und Stigmatisierung reduzieren will.

Präventionsgesetz setzt Schwerpunkte

Das 2015 verabschiedete Präventionsgesetz hat das Ziel, Gesundheitsförderung und Prävention in den Lebenswelten der Menschen zu stärken, und betont die Rolle der Kommune als zentrale Lebenswelt von Menschen. In der Folge macht die KGC RLP die Kommune zum Ausgangpunkt ihrer Aktivitäten: Hier besteht die Chance, Menschen alltagsnah und niedrigschwellig zu erreichen und sie in ihrer Gesundheit zu stärken – auch solche, die sonst nur schwer zu erreichen sind, zum Beispiel Alleinerziehende, ältere Menschen oder Menschen mit Migrationshintergrund. Die Vernetzung von Partnerorganisationen und Akteurinnen und Akteuren vor Ort soll die Wirksamkeit gesundheitsfördernder Maßnahmen erhöhen und eine professionell gestützte Qualität bewirken.

©ArTo/adobestock

Strategische Entwicklung von Gesundheitsangeboten

Die KGC widmet sich nun schwerpunktmäßig der Beratung von Kommunen beim Aufbau von integrierten Gesundheitsstrategien. Dies können entwicklungsbegleitende Präventionsketten für Kinder und Jugendliche sein, gesundheitsförderliche Quartierskonzepte oder integrierte Gesundheitspläne. Das übergeordnete Ziel lautet: Menschen unabhängig von Alter und sozialer Zugehörigkeit das Leben in einem Umfeld zu ermöglichen, in dem nachhaltige, qualitätsorientierte und integrierte Strukturen der Gesundheitsförderung lebenslaufbegleitend wirken.

Nach der Unterzeichnung der Landesrahmenvereinbarung Rheinland-Pfalz zur Umsetzung des Präventionsgesetzes wird die LZG 2017 mit der Moderation des Landesnetzwerks Kommunale Gesundheitsförderung betraut, einem breit angelegten Austausch- und Beratungsforum zwischen Landesregierung, Sozialversicherungsträgern und anderen gesellschaftlich relevanten Verbänden und Vereinigungen.

Gesundheit und Erwerbslosigkeit

2017 erhält die KGC von den Krankenkassen und -verbänden in Rheinland-Pfalz den Auftrag, die Federführung im Modellprojekt Verzahnung von Arbeits- und Gesundheitsförderung in der kommunalen Lebenswelt zu übernehmen. Damit erhält eine weitere Dialoggruppe verstärkte Aufmerksamkeit der KGC: Menschen in der Erwerbslosigkeit. Vor allem lange Phasen der Erwerbslosigkeit sind mit einem hohen Krankheitsrisiko verbunden, und zugleich führen Erkrankungen häufig zum Verlust des Arbeitsplatzes. Erwerbslose Menschen nutzen die vorhandenen präventiven Gesundheitsangebote nur selten – sei es aus Kostengründen, aus Gründen der schlechten regionalen Erreichbarkeitoder wegen anderer Hemmnisse. Umso wichtiger ist es, sie mit Angeboten dort abzuholen, wo sie aufgrund ihrer persönlichen Situation in der kommunalen Lebenswelt häufig anzutreffen sind.

Nach dem Start in Kaiserlautern, Worms und dem Landkreis Birkenfeld werden sukzessive an 21 Standorten in Rheinland-Pfalz Kooperationen zwischen Einrichtungen der Arbeitsförderung (Jobcenter, Agenturen für Arbeit) und den gesetzlichen Krankenkassen geschlossen. In Rheinland-Pfalz sind an den meisten Standorten auch die Landkreise bzw. Kommunen den Kooperationen beigetreten. Ziel ist es, standortspezifische Gesundheitsangebote für erwerbslose Menschen zu entwickeln. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der KGC steuern diesen Prozess. Sie planen und organsieren – unter Einbeziehung von Betroffenen als Lebensweltexpertinnen und -experten – ein vielfältiges Informationsangebot, das seit der Corona-Pandemie auch digital durchgeführt wird. Themen wie Ernährung, Bewegung, Stressbewältigung und Umgang mit Suchtmitteln stehen im Vordergrund. Alle Angebote sind freiwillig undkostenlos, als wichtige Voraussetzung für Teilhabe.

Auf dem Erfolgsweg

Das Projekt Verzahnung von Arbeits- und Gesundheitsförderung in der kommunalen Lebenswelt wird ab 2023 verstetigt und als Programm unter dem Titel teamw()rk für Gesundheit und Arbeit fortgeführt. Ziel ist es weiterhin, in Zusammenarbeit mit den Einrichtungen der Arbeitsvermittlung, den Kommunen und weiteren Partnerinnen und Partnern gesundheitsfördernde Angebote für erwerbslose Menschen in Rheinland-Pfalz auf den Weg zu bringen.

Gesundheit als gesamtgesellschaftliche Aufgabe: Health in All Policies

Gesundheit geht alle an, sie darf nicht allein Thema für den Gesundheitssektor sein – das ist der zukunftsweisende Ansatz des Konzepts Health in All Policies (HiAP). Es betont die Verantwortung aller Politikfelder für die Gesundheit der Bevölkerung. Im Arbeitsleben, in der Schule, auch bei der Stadtentwicklung – gesundheitliche Aspekte müssen überall berücksichtigt werden. Die KGC ist hierzu breit aufgestellt. Ihre Arbeit schlägt Brücken in verschiedene Lebenswelten und bindet Partner aus unterschiedlichen Fachbereichen ein – mit dem Ziel, Gesundheit und Lebensqualität der Bevölkerung auf einer breiten Basis zu fördern.

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