Herz verschenken – Organspende: Aufklärung erleichtert die Entscheidung
Das Herz hält uns am Leben. Es symbolisiert Nächstenliebe, Mut und Zuversicht. Als Lebkuchen und Luftballon macht es auf die ersten Aktionen der LZG zum Thema Organspende in der Mainzer Innenstadt aufmerksam. Selbstverständlich ziert ein Herz das Logo der Initiative Organspende Rheinland-Pfalz. Die Wanderausstellung „Herz verschenken“ und das Video „Ein Herz für Alexandra“ regen Menschen an, über eine Organspende nachzudenken. Denn das ist das Ziel der Initiative: Wissen vermitteln, Denkanstöße geben, Menschen befähigen, eine bewusste Entscheidung zu treffen und sie in einem Organspendeausweis zu dokumentieren – egal wie sie ausfällt.
Nichtstun aus Unwissenheit
Mehr als 80 Prozent der Bundesbürgerinnen und Bundesbürger stehen einer Organ- oder Gewebespende aufgeschlossen gegenüber. Aber nur gut 60 Prozent haben sich wirklich entschieden, und weniger als 40 Prozent besitzen einen Organspendeausweis. Knapp die Hälfte der Menschen in Deutschland fühlt sich nicht gut informiert über die Organspende: Geht hier alles mit rechten Dingen zu? Kann ich wirklich frei entscheiden? Werden die Toten würdevoll behandelt? Und vor allem: Sind sie wirklich tot? Fragen wie diese machen Angst und verhindern oft die Auseinandersetzung mit einem lebenswichtigen Thema – während täglich Menschen sterben, weil sie vergeblich auf ein Spenderorgan warteten. Aufklärung ist wichtig, um zu sensibilisieren und Informationsdefizite abzubauen. Deshalb ist das Thema Organspende seit über zwei Jahrzehnten in der LZG fest verankert.
Öffentlichkeitswirksam von Anfang an
1500 Herzen machen den Anfang: 1500 Lebkuchenherzen, die am Nikolaustag 2001 zusammen mit einem Organspendeausweis an Passantinnen und Passanten in der Mainzer Innenstadt verschenkt werden. Verantwortlich für die Aktion ist die Projektstelle Streetwork in der Organspende in Rheinland-Pfalz, ein im September 2001 gestartetes Kooperationsprojekt der LZG, des damaligen Ministeriums für Arbeit, Soziales, Familie und Gesundheit (MASFG) sowie der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA). Das Hauptaugenmerk gilt von Beginn an der Unterstützung und Vernetzung: Die im Bereich Organspende in Rheinland-Pfalz tätigen Verbände und Institutionen sollen zusammengebracht werden, um gemeinsam öffentlichkeitswirksame Aktionen zu entwickeln und umzusetzen.
Der nächste große Auftritt folgt am 1. Juni 2002, dem bundesweiten Tag der Organspende. Straßenaktionen, ein Symposium und ein Gottesdienst im Mainzer Dom mit über 600 Teilnehmenden erregen überregionale Aufmerksamkeit. Mitglieder der Mainzer Schule für Clowns verteilen Herz-Luftballons mit Organspendeausweisen als Symbol für ein geschenktes Leben. An einem Glücksrad testen und erweitern Bürgerinnen und Bürger ihr Wissen über die Organspende.

©Stefan Sämmer
Das Netzwerk wird verstetigt
Ein erstes Forum zum Stand der Organspende in Rheinland-Pfalz, das die LZG organisiert, bietet den in der Organspende tätigen Verbänden und Institutionen im Januar 2002 die Möglichkeit zum Austausch. Im Rahmen eines zweiten landesweiten Treffens am 17. September 2002 wird schließlich die Initiative Organspende Rheinland-Pfalzgegründet und mit einer Pressekonferenz im Oktober der Öffentlichkeit vorgestellt. Neben den Initiatoren – LZG, BZgA, MASFG und DSO (Deutsche Stiftung Organtransplantation) – gehören die großen Selbsthilfeverbände, die Landesärztekammer Rheinland-Pfalz, die Kassenärztliche Vereinigung Rheinhessen, Vertreter der gesetzlichen Krankenkassen sowie der Landessportbund Rheinland-Pfalz dem „kooperierenden Netzwerk“ an. Weitere Institutionen kommen in den Folgejahren hinzu. Die Aufgaben, die die LZG zum Thema Organspende übernimmt, finden Aufnahme in das Landesgesetz zur Ausführung des Transplantationsgesetzes.
Überzeugend: die persönliche Betroffenheit
Die Kooperation mit den Selbsthilfeorganisationen ist von Anfang an wichtig und gewinnbringend. Transplantierte berichten von ihrem geschenkten Leben, Angehörige erzählen, wie es ist, plötzlich über die Organspende eines nahen Verwandten entscheiden zu müssen. Denn dies ist nur Wenigen bewusst: Der Organspendeausweis verschafft Angehörigen im Ernstfall Klarheit darüber, was die oder der Verstorbene selbst wollte.
Persönliche Betroffenheit ist auch die große Stärke der Wanderausstellung Herz verschenken. Sie reist seit 2013 durch Rheinland-Pfalz und dokumentiert die Schicksale hinter Statistiken, Transplantationszahlen und Wartelisten. Die Fotos von Michael Hagedorn zeigen Kinder und Erwachsene, die ein Organ erhalten haben und solche, die noch nicht dieses Glück hatten. Sie portraitieren Hinterbliebene und Menschen, die beruflich mit Organspenden zu tun haben.

©Dennis Möbus
Von der Club-Party bis Instagram: neue Kanäle der Kommunikation
2016 gewinnt die Initiative Organspende Rheinland-Pfalz junge Prominente aus Film, Fernsehen und Sport, um das Thema Organspende mitten ins Leben zu bringen. Bei einer Party in Zusammenarbeit mit dem Verein Junge Helden in einem angesagten Mainzer Club stehen die Promis an der Kasse, hinter der Bar und an den Plattentellern. Sie halten die Gäste nicht nur bis in die Morgenstunden in Schwung, sondern teilen auch Flyer mit Informationen und Organspendeausweisen aus und erklären, warum sie sich für die Organspende engagieren. So stehen Musik, Tanzen und Spaß am Feiern im Vordergrund – und zugleich werden positive Berührungspunkte zum Thema Organspende geschaffen.
Die junge Mainzerin Alexandra Winter, eine der Portraitierten der Ausstellung Herz verschenken, berichtet in einem eindrücklichen Video von ihrem Leben vor und nach der Transplantation. Es wird vielfach in den sozialen Medien geteilt, ebenso wie ein Erklärvideo zur Organspende mit Mirko Drotschmann – bei Heranwachsenden als „MrWissen2go“ beliebt.
Seit 2021 betreibt die Initiative zudem einen Instagram-Kanal. Unter @initiativeorganspende erreicht sie mit Informationen und Botschaften von prominenten Personen und Betroffenen vor allem junge Menschen – denn diese gehören von Anfang an zur besonderen Zielgruppe.
Es ist nie zu früh, über Organspende nachzudenken
Jugendliche können bereits im Alter von 14 Jahren ihren Widerspruch gegen eine Organentnahme einlegen, ab 16 können sie sich dafür entscheiden. Gleich nach dem Start der Initiative entwickelt die LZG deshalb Fortbildungskonzepte für Lehrkräfte sowie Schülerinnen und Schüler. 2018 und in den Folgejahren setzt sie mit der Schultour Organspende neue Impulse: In einer Doppelstunde liefert ein Video fachlichen Input zu Zahlen und Fakten, eine Expertin oder ein Experte vertieft die Informationen und eine betroffene Person berichtet, was Organspende im Einzelfall bedeutet. Die anschließenden Fragerunden zeigen, dass sich junge Menschen sehr offen und interessiert mit dem Thema auseinandersetzen.
An eine junge Zielgruppe richtet sich 2019 auch die Aktion #7Leben, bei der Fahrschülerinnen und Fahrschüler auf digitale Informationsangebote aufmerksam gemacht werden und ihr Wissen über Organspende anschließend online testen können.
©LZG
Überall im Land vertreten
Die Initiative ist darüber hinaus mit Informationsständen und Aktionen bei Gesundheitstagen, Firmenläufen, Stadtfesten und Verbrauchermessen vertreten und leistet am Tag der Organspende, der immer am ersten Samstag im Juni begangen wird, stets einen aktiven Beitrag.
2022, im Jahr des 20-jährigen Jubiläums der Initiative Organspende, ist Mainz Partnerstadt für die zentrale Veranstaltung an diesem Gedenktag. Das ist Anlass für ein besonderes Highlight: die Aktion Second Chance – ein Zeichen setzen für Organspende. Zahlreiche, zum Teil bundesweit bekannte Personen aus TV, Musik, Kultur und Sport stellen hochwertige Kleidung für einen Second Hand-Verkauf zur Verfügung. Sie geben damit ihren ehemaligen „Lieblingsstücken“ eine zweite Chance, einen neuen Besitzer oder eine neue Besitzerin zu finden – so wie ein Organspendeausweis dafür sorgen kann, dass ein todkranker Mensch die Chance auf ein zweites Leben bekommt. Die Aktion erzielt große Aufmerksamkeit in der Mainzer Innenstadt und in den regionalen und überregionalen Medien und bringt einmal mehr das Thema Organspende ins Gespräch.
Die Aktionen der Initiative werden von umfangreicher Pressearbeit begleitet. Auf der Website www.initiative-organspende-rlp.de sind Fakten und Erfahrungsberichte abrufbar, man kann Infobroschüren bestellen, die Wanderausstellung Herz verschenken buchen oder eine Riesenplakatwand ausleihen. Diese besteht aus 840 Organspendeausweisen zum Mitnehmen. Jeder Ausweis, der ausgefüllt wird, ist ein Erfolg für die Initiative – und damit für die Organspende.

©Hannah Schroll