Selbstbestimmt alt werden – Demografischer Wandel: Demenz, Pflege und Wohnen im Alter
Wie wollen Menschen im Alter leben? Welche Bedürfnisse haben sie? Und was kann, was muss die Gesellschaft dazu beitragen, dass Menschen in Würde alt werden können? Fragen wie diese beschäftigen sowohl die Gesundheits- als auch die Sozialpolitik. In Rheinland-Pfalz ist die LZG mehr als 15 Jahre eine zuverlässige Partnerin, wenn es darum geht, über Demenz aufzuklären, Angehörige von Pflegebedürftigen zu unterstützen, kommunale Strukturen dem demografischen Wandel anzupassen und Wohnformen für ein gutes Leben im Alter zu entwickeln. 2021 gehen diese Themen als Daueraufgaben in die Zuständigkeit des Landes über.
Nicht vergessen: Menschen mit Demenz
Ein Koffer, prall gefüllt mit Informationsmaterial, markiert 2004 den Auftakt der Demenzkampagne Rheinland-Pfalz – konzipiert mit dem Ziel, Vorurteile zur Entstehung und zum Verlauf demenzieller Erkrankungen abzubauen. Der Koffer wird von der LZG als Aufforderung zum Mitmachen an Landkreise und Kommunen, Gesundheitsdienste, Hausarztpraxen und Apotheken verschickt – mehr als 6.000 Exemplare gehen auf Tour. Gleichzeitig symbolisiert er die innere Reise eines demenziell erkrankten Menschen in eine unbekannte Welt.

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Aktionstage und Informationsveranstaltungen in kleinen Orten und größeren Städten sensibilisieren in den nächsten Jahren Tausende von Bürgerinnen und Bürgern für eine Erkrankung, die alle Menschen treffen kann – und die dennoch kaum bekannt ist. In Rheinland-Pfalz will die damalige Gesundheits- und Sozialministerin, dass sich das ändert: „Demenz“ soll zu einem Begriff werden, den die Menschen kennen und mit Inhalt verbinden. Die Erkrankung darf kein Tabu mehr sein. Die Kampagne soll Betroffenen und ihren Angehörigen helfen, Scham und Scheu zu überwinden und offen mit der Erkrankung umzugehen – das sind die Ziele von Malu Dreyer, die die gesellschaftliche Bedeutung des Themas schon früh erkennt, die Demenzkampagne initiiert und sie mit ihrem Ministerium langfristig unterstützt.
Über Hilfsangebote informieren
Damit von Demenz direkt oder indirekt betroffene Menschen schnell umfassende Unterstützung finden, ergänzt ab 2009 das Landes-Netz-Werk Demenz die Kampagne. Es fördert die Zusammenarbeit von Fachkräften verschiedener Professionen und von ehrenamtlich engagierten Menschen in den Regionen. Bis Ende 2020 entstehen in Rheinland-Pfalz 41 regionale Demenznetzwerke, die die LZG unterstützt, begleitet und fortbildet, sowie 33 Lokale Allianzen für Menschen mit Demenz. Eine interaktive Landkarte auf der LZG-Webseite wird entwickelt, um die zunehmenden demenzspezifischen Angebote in den Regionen leichter auffindbar zu machen.
Vielfältige Broschüren informieren über Demenz und vermitteln Sicherheit im Umgang mit Betroffenen. Unter anderem gibt es Leitfäden für Angehörige, für Einsatzkräfte der Polizei, für Beschäftigte in Krankenhäusern und für Eltern, die ihren Kindern erklären wollen, warum Oma oder Opa sich in letzter Zeit so verändert haben. Ein Biografieheft ermöglicht, die Erinnerungen und Lebensstationen von Menschen, die auf dem Weg in eine Demenz sind, aufzuzeichnen und zu bewahren. Eine Wanderausstellung mit eindrucksvollen Portraits, zwischen 2011 und 2020 im ganzen Land unterwegs, stellt Nähe her und gibt der Krankheit ein Gesicht. Sie will zeigen: Demenz ist anders.
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Teilhabe ermöglichen
Ein wichtiges Ziel der Demenzkampagne ist, Menschen mit Demenz und ihren Angehörigen soziale und kulturelle Teilhabe zu ermöglichen. Wegweisend sind entsprechende Fortbildungen für Netzwerkmitglieder und die Qualifizierung von Ehrenamtlichen zu Kulturbegleiterinnen und -begleitern. Diese schaffen über Musik, Theater oder Bildende Kunst einen besonderen Zugang zu Menschen mit Demenz und bereichern mit kreativen, musischen und anderen kulturellen Angeboten deren Leben.
In Anlehnung an das Konzept der Clowndoktoren bildet die LZG 2018/2019 im Auftrag des rheinland-pfälzischen Sozialministeriums 40 ehrenamtliche Geronto-Clowns aus. Sie sind in 16 Krankenhäusern im Einsatz, um mit Einfühlungsvermögen und Humor die Situation von Menschen mit Demenz während des Klinikaufenthalts zu verbessern. Zahlreiche auf der LZG-Website dokumentierte Schul- und Generationenprojekte ermöglichen gemeinsame Aktivitäten von Jugendlichen und Menschen mit Demenz und fördern so die generationenübergreifende Kommunikation.

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Pflege – qualitätsvoll, würdig und flächendeckend
Darüber hinaus unterstützt die LZG zwischen 2009 und 2012 das Sozialministerium bei der Organisation des Mainzer Pflegestammtischs. Auf Einladung und mit aktiver Beteiligung von Ministerin Malu Dreyer kommen vierteljährlich pflegende Angehörige, Pflegekräfte, Einrichtungsträger, Vertreterinnen und Vertreter von Selbsthilfegruppen und viele andere Interessierte zusammen, um die Pflegesituation im Land zu diskutieren und den Verbesserungsbedarf zu benennen.
Altwerden in der eigenen Umgebung
2011 wird die Servicestelle Gut leben im Alter in der LZG angesiedelt. Sie unterstützt mit Regionalforen und regionalen Beteiligungsworkshops den landesweiten Beteiligungsprozess, mit dem der Aktionsplan Gut leben im Alter der Landesregierung mit Leben gefüllt werden soll. In groß angelegten World-Cafés diskutieren Bürgerinnen und Bürger über die Chancen und Herausforderungen des demografischen Wandels und wie man ihn vor Ort positiv gestalten kann. So entstehen Ideen für Bürgerbusse, Nachbarschaftscafés, gemeinsame Mittagstische, eine Ehrenamtsbörse für Jung und Alt und viele weitere Initiativen, die in den Kommunen ein gutes Leben im Alter ermöglichen sollen.
Entwicklung von Sorgestrukturen für das Alter
Seit der Jahrtausendwende befasst sich die Sozialpolitik verstärkt mit den Folgen des demografischen und sozialstrukturellen Wandels. Schon 2005 verpflichtet die rheinland-pfälzische Landesregierung die Landkreise und kreisfreien Kommunen zur kommunalen Pflegestrukturplanung und begründet die Struktur der Beratungs- und Koordinierungsstellen, kurz BeKo, die später in die Pflegestützpunkte übergehen. Sie leistet damit innerhalb der Bundesländer Pionierarbeit. Ab 2011 unterstützt die bei der LZG angesiedelte Servicestelle für kommunale Pflegestrukturplanung die kommunalen Verwaltungen, unter anderem mit der fachlichen Entwicklung von verbindlichen Standards. Ziel ist die Entwicklung der Selbsthilfe und Solidarität im regionalen Raum sowie eine verbesserte Zusammenarbeit mit den professionellen Strukturen von ambulanten Hilfen und stationären Einrichtungen.
Neue Wohnformen für mehr Lebensqualität im Alter
Zu den wichtigsten Veränderungen der Infrastruktur zählt die Entwicklung der „neuen Wohnformen“. In ihnen verbinden sich Elemente der Barrierefreiheit mit dem Angebot an ambulanten, bedarfsgerechten Hilfen. Wenn es gelingt, Elemente der Selbsthilfe mit professionellen Dienstleistungen und Barrierefreiheit zu verbinden, bieten die „neuen Wohnformen“ mehr Lebensqualität im Alter und können einen Umzug ins Pflegeheim verhindern.
2013 übernimmt die LZG die Trägerschaft für die Landesberatungsstelle PflegeWohnen, aus der 2015 die Landesberatungsstelle Neues Wohnen Rheinland-Pfalz hervorgeht – eine zentrale Anlaufstelle für Themen des neuen Wohnens in Rheinland-Pfalz. Ihr umfassendes Beratungsangebot für Kommunen kommt dem Wunsch vieler Bürgerinnen und Bürger entgegen, trotz Hilfe- und Betreuungsbedarf im eigenen, vertrauten Wohnumfeld zu verbleiben. In den Jahren 2014 bis 2020 folgen Fachtagungen mit der kommunalen Wohnungswirtschaft, der Wohlfahrtspflege und den Kommunen zum Thema „neue Wohnformen“, die in mehrere Projekte des innovativen Wohnungsbaus in Rheinland-Pfalz münden. Die Landesberatungsstelle Neues Wohnen vermittelt in hunderten von Beratungsgesprächen Informationen zu neuen Wohnformen und leistet praktische Hilfestellung, um Wohnprojekte voranzubringen.

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Leben und Wohnen, wie es zu den Menschen passt
Drei Wohnmodelle stoßen auf großes Interesse und stehen bei den Beratungen im Vordergrund: Die Wohn-Pflege-Gemeinschaft (WPG) als kleinteilige Alternative zur stationären Versorgung, gemeinschaftliches Wohnen in Form von Wohnprojekten, Genossenschaften, Mietervereinen und Baugruppen sowie das Generationen-Wohnen nach dem Vorbild des „Bielefelder Modells“.
Insbesondere das 2014 von der Landesregierung aufgelegte Projekt WohnPunkt RLP setzt Maßstäbe. Sein Ziel ist, kleinere Gemeinden im ländlichen Raum strukturell bei der Umsetzung von Wohn-Pflege-Gemeinschaften und Quartierskonzepten zu begleiten und zu fördern. Das Projekt führt in mehreren Gemeinden in Rheinland-Pfalz zur gelungenen Realisierung von Wohn-Pflege-Gemeinschaften.

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Von der Pionierarbeit der LZG zur Daueraufgabe des Landes
Die erfolgreiche Arbeit der LZG in der Demenzkampagne, im Rahmen der Demografiestrategie der Landesregierung sowie in der Weiterentwicklung von Hilfe- und Betreuungsstrukturen im Alter erhöht den Stellenwert, der diesen Aufgaben zugemessen wird. Das führt dazu, dass das Land Rheinland-Pfalz die entsprechenden Bereiche ab 2021 in den eigenen Zuständigkeitsbereich überführt: Das Landes-Netz-Werk Demenz, die Servicestelle für kommunale Pflegestrukturplanung, die Landesberatungsstelle Neues Wohnen sowie das Projekt WohnPunkt RLP werden in der Folge als Daueraufgaben des Landes Rheinland-Pfalz beim Landesamt für Soziales, Jugend und Versorgung angesiedelt.