Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz e.V.
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Suchtprävention

Ein Arbeitsfeld mit langer Tradition und vielen Facetten

„Lass stecken“, „Mach dir nix vor“ oder „Klopp dein Geld doch gleich in die Tonne“ – mit klaren Ansagen warnt die LZG vor den Folgen von Nikotin, Alkohol und Glücksspiel. Doch das Thema ist weit vielfältiger. Auf legale und illegale Substanzen, auf stoffgebundene wie stoffungebundene Abhängigkeiten beziehen sich die Präventionsaktivitäten der LZG, die ab 1994 unter dem Dach des „Büros für Suchtprävention“ stattfinden. Früher als in anderen Bundesländern wird das Thema Kinder aus suchtbelasteten Familien aufgegriffen und als Teil der Gesundheitsförderung etabliert. Aus den Aufgaben zur Prävention der Glücksspielsucht geht 2016 die Gründung der LZG-Akademie gGmbH hervor. 2021 gibt die LZG den Bereich Suchtprävention an das Landesamt für Soziales, Jugend und Versorgung ab.

Von Beginn an zählt die Suchtprävention zu den großen Themenbereichen der LZG. Nach aktuellem Verständnis ist das Ziel der Suchtprävention, Menschen in ihren sozialen und persönlichen Kompetenzen, auch der Risiko-Kompetenz, zu stärken, ihr Selbstvertrauen zu fördern und sie in ihrer Identitätsfindung und Konfliktfähigkeit zu unterstützen. So soll Abhängigkeitsentwicklungen vorgebeugt werden. Öffentlichkeitswirksame Aktionen, innovative Projekte, Fortbildungen, Informationsvermittlung und Vernetzung sind erfolgreiche Methoden. Durchgeführt werden die Maßnahmen im Auftrag des rheinland-pfälzischen Sozialministeriums.

Lass stecken: Auf dem Weg in ein rauchfreies Leben

Zwei Kinder mit ins Bild montierten Zigaretten
@LZG-Archiv

Die erste Nichtraucherkampagne startet die LZG bereits 1975. Bald schon verabschiedet sie sich vom Prinzip der Abschreckung und sucht neue Wege für die Suchtprävention.

Die Nichtraucherkampagne unter dem Motto „Lass stecken“ verfolgt ab dem Jahr 2000 einen massenkommunikativen Ansatz und macht mit Plakaten, Postkarten, Anzeigenmotiven und originellen Kinospots auf die gesundheitlichen Folgen des Nikotinkonsums aufmerksam. Das 2008 in Kraft getretene Nichtraucherschutzgesetz stärkt diesen Arbeitsschwerpunkt.

Kampagnenlogo

Die Kampagne wird kontinuierlich zu einem Aktionsprogramm mit sechs Bausteinen ausgebaut. Beratungs- und Fortbildungsangebote, eine Imagekampagne zum Passivrauchen, Raucherentwöhnungskurse sowie die Unterstützung des bundesweiten Wettbewerbs „Be smart, don‘t start“ gehören dazu. Schülerinnen und Schüler verpflichten sich hierbei, nicht zu rauchen und setzen sich in kreativen Beiträgen mit dem Thema Nichtrauchen auseinander. Mehrere hundert Schulklassen in Rheinland-Pfalz beteiligen sich an dem jährlich durchgeführten Wettbewerb.

Institutionalisierung der Suchtprävention: Regionale Arbeitskreise und Büro für Suchtprävention

Ab Anfang der 1980er Jahre entstehen mit Unterstützung der LZG landesweit Regionale Arbeitskreise Suchtprävention (RAK), in denen sich Fachkräfte aus Suchtberatungsstellen, Jugend- und Gesundheitsämtern, Schulpsychologischen Diensten, Jugendarbeit, Schule und Kitas sowie Ehrenamtliche zusammenschließen. Ziel der Arbeitskreise ist, suchtvorbeugende Maßnahmen in den Regionen aufeinander abzustimmen und gemeinsam weiterzuentwickeln.

Logo Regionale Arbeitskreise

1994 eröffnet Sozial- und Gesundheitsminister Ulrich Galle in der LZG das Büro für Suchtprävention und wertet damit den Arbeitsbereich auf. Als eine der Hauptaufgaben gilt die Koordinierung der Regionalen Arbeitskreise Suchtprävention. Rund 40 RAKs werden im Laufe der Zeit gegründet. Das Büro für Suchtprävention unterstützt ihre Arbeit konzeptionell und fachlich, stellt die finanzielle Förderung für regionale Präventionsprojekte zur Verfügung und veranstaltet die RAK-Jahrestagungen mit unterschiedlichen thematischen Schwerpunkten.

Ab 2009 wird das Büro für Suchtprävention vom Ministerium für Soziales, Arbeit, Gesundheit und Demografie mit der Organisation der Landesdrogenkonferenz beauftragt. An der Tagung für die Einrichtungen der Suchthilfe in Rheinland-Pfalz nehmen jedes Jahr rund 300 Fachkräfte aus dem ganzen Land teil.

Weiterbildungen für Kita und Schule

Titel einer Broschüre zur Suchtvorbeugung
©LZG-Archiv

Die Weiterbildung von Multiplikatorinnen und Multiplikatoren in Kindertagesstätten, Schulen und Jugendfreizeiteinrichtungen ist seit den 1980er Jahren Bestandteil der suchtpräventiven Arbeit der LZG. 1996 startet das Modellprojekt „Suchtvorbeugung in Kindertagesstätten“, das bundesweit Beachtung findet und von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung als vorbildlich bezeichnet wird. Arbeitsmaterialien fassen die Erfahrungen des Modellprojekts zusammen und vermitteln Erzieherinnen und Erziehern Informationen und vielfältige Beispiele für die suchtpräventive Praxis mit Kita-Kindern.

Eine besondere Form der Arbeit mit Multiplikatorinnen und Multiplikatoren kommt seit 1998 in Schulen zum Einsatz: das Peer Counseling. Schülerinnen und Schüler werden zu suchtpräventiven Themen geschult und geben ihr Wissen anschließend glaubwürdig und auf Augenhöhe an Gleichaltrige weiter. Lehrkräfte erwerben in einer Fortbildung Kompetenzen, um das Schülermultiplikatorenkonzept an ihrer Schule erfolgreich umzusetzen. Unter dem Namen „Auf der Suche nach ...“ entwickelt sich das Fortbildungsangebot zum Dauerbrenner und wird von vielen hundert Lehrkräften durchlaufen.

In Folge einer neuen Verwaltungsvorschrift beauftragt das rheinland-pfälzische Bildungsministerium 2011 das Büro für Suchtprävention mit der Entwicklung und Umsetzung der „Grundausbildung Suchtprävention RLP“. Alle Suchtpräventionslehrkräfte an Schulen in Rheinland-Pfalz nehmen seither an der modular aufgebauten Fortbildung teil.

Mach Dir nix vor: Wo und wann Alkohol tabu ist

Eine Holzpuppe mit Konfetti hält ein Schild hoch mit der Aufschrift "Mach dir nix vor"
©LZG-Archiv

Der Konsum von Alkohol genießt in Deutschland breite Anerkennung und stellt gleichzeitig ein zentrales Problem dar. Die 2009 gestartete Kampagne „Mach Dir nix vor!“ geht in der Frage des Umgangs mit Alkohol vom Konzept der sogenannten Punktnüchternheit aus. Das bedeutet, dass es Situationen und Lebensbereiche gibt, in denen Alkohol definitiv keinen Platz hat. Die Kampagne setzt auf eigenverantwortlichen Konsumverzicht zum Beispiel in der Schwangerschaft und Stillzeit, im Straßenverkehr und am Arbeitsplatz. Sukzessive werden Materialien zu den Themenbereichen entwickelt und über Kooperationspartner breit gestreut. Eine Website und später auch E-Learning-Programme unterstützen die Kampagne.

Unter dem Label „Alkoholfrei schwanger“ klärt das Büro für Suchtprävention langfristig über die Folgen des Alkoholkonsums in der Schwangerschaft und Stillzeit auf. Publikationen, Fortbildungen, Give-aways, ein E-Learning und ein Film auf YouTube transportieren die zentrale Botschaft: Keine noch so geringe Menge Alkohol ist in der Schwangerschaft und Stillzeit unbedenklich – der vollständige Verzicht auf Alkohol ist für das Kind der beste Schutz.

Das bundesweite Suchtpräventionsprojekt „HaLT – Hart am Limit“, das die LZG seit 2014 in Rheinland-Pfalz koordiniert, hat den Alkoholkonsum der jungen Generation im Blick. Es richtet sich mit einem reaktiven Baustein an Jugendliche, die nach einer Alkoholvergiftung im Krankenhaus behandelt werden, und mit einem proaktiven Baustein an Kommunen, die zu einer Alkohol-Präventionsstrategie motiviert werden sollen.

Ein suchtfreies Leben attraktiv machen

Kampagnenlogo
©LZG-Archiv

Unter der Überschrift „be strong – be clean – feel good“ startet im Jahr 2000 erstmals ein landesweiter Aktionstag zur Suchtprävention, dem in den kommenden Jahren weitere folgen. Die teilnehmenden Jugendlichen werden dazu eingeladen, sich mit Fragen zur Suchtentstehung und -vorbeugung in kreativer Form auseinanderzusetzen. So entstehen zum Beispiel Präventionskalender, Songs und Videoclips.

Statt auf den Zeigefinger setzt die Präventionsarbeit auf die attraktiven Aspekte eines suchtfreien Lebens. Die Aktion „Nüchtern fahren, sicher ankommen“ etwa wirbt mit einem Rezeptheft für alkoholfreie Cocktails. Auch die Freizeit wird in den Blick genommen, denn gerade hier lauern in der Flucht vor Einsamkeit und Langeweile Suchtgefahren. Mit der Aktion „FREIzeit – FREIheit – SuchtFREI“ sollen Jugendliche ihr Freizeitverhalten reflektieren und lernen, es ohne den Griff zur Droge zu gestalten. Entsprechende Angebote reichen vom Kochkurs und Kreativ-Workshop bis zur Bildung von Musikgruppen und zur Gestaltung einer Rockrevue.

Die Ausstellung „Echt gut drauf?“ will Jugendliche für eigene Suchthaltungen und Konsumgewohnheiten sensibilisieren. Mit spielerischen Elementen wie Geruchs- und Tastkästen spricht sie die Erlebnisfähigkeit und die Kreativität der Jugendlichen an.

Auch erlebnispädagogische Maßnahmen gehören zum Repertoire der LZG. Sie sollen helfen, das Selbstbewusstsein junger Menschen zu stärken und ihr Bedürfnis nach Abenteuer auf einem risikoarmen Niveau zu befriedigen.

Schwerpunktthema: Kinder aus suchtbelasteten Familien

Kampagnenposter mit Kind auf einer Schaukel
©LZG-Archiv

Von 25 Kindern kommen vier bis fünf aus einer Familie, in der mindestens ein Elternteil problematisch bis krankhaft Alkohol konsumiert. Weitere Kinder haben Eltern, die von illegalen Drogen oder Medikamenten abhängig sind oder unter nicht-stoffgebundenen Süchten leiden. Sie alle tragen ein erhöhtes Risiko, später selbst eine Abhängigkeitserkrankung oder eine andere psychische oder soziale Störung zu entwickeln. Angesichts dieser Zahlen macht das Büro für Suchtprävention Kinder aus suchtbelasteten Familien zum Schwerpunktthema seiner Arbeit.

Ab 2002 werden landesweite Unterstützungsstrukturen aufgebaut und die Fortbildung „Kind s/Sucht Familie“ entwickelt. Mit dem Angebot werden Multiplikatorinnen und Multiplikatoren befähigt, in der eigenen Region Fortbildungen für Fachkräfte durchzuführen, die betroffene Kinder im sozialen Umfeld unterstützen können. Das Konzept etabliert sich über Rheinland-Pfalz hinaus: Auch in anderen Bundesländern und sogar in der Schweiz wird damit gearbeitet. Ergänzend bietet die LZG Schulungen zur Einrichtung von Kindergruppen in den Regionen an. Diese sollen Kindern ein Unterstützungssystem außerhalb der suchtbelasteten Herkunftsfamilie bieten, ihre Resilienz fördern und eine suchtfreie Entwicklung ermöglichen.

Kompetenzen von Familien stärken

Kampagnenlogo

Mit einem ressourcenorientieren Ansatz richtet sich von 2005 bis 2013 das Projekt Zu Gast bei Familie… an Eltern. Zentrales Element sind die sogenannten FamTische – angeleitete Gesprächsrunden im privaten Umfeld zu einem festgelegten, suchtpräventiven Thema. In geselliger Atmosphäre können Gastgeber und Gäste diskutieren, Fragen stellen und individuelle Lösungsansätze zu Erziehungs- und Präventionsfragen entwickeln. FamTische sollen das Vertrauen in die eigene Erziehungskompetenz stärken und unterscheiden sich deutlich von klassischen Eltern-Schulungen. Im Projektzeitraum finden jährlich bis zu 24 FamTische landesweit statt.

Oft unterschätzt: die Glücksspielsucht

Glücksspiel kann süchtig machen. Was für die meisten Menschen eine abstrakte Warnung bleibt, wird für andere bittere Realität – mit weitreichenden finanziellen, sozialen und psychischen Folgen für Betroffene und ihre Familien. Von problematischem oder abhängigem Spielverhalten wird gesprochen, wenn das Glücksspiel in den Mittelpunkt des Lebens rückt und zum Selbstzweck wird. Gemeinsam mit Lotto Rheinland-Pfalz setzt die LZG seit 2006 unter dem Titel „Spielen mit Verantwortung“ Fortbildungen und Informationsangebote zum Thema Glücksspielsucht um. Dazu gehört auch die Aufnahme des Themas in die Schulung der Lotto-Verkaufsstellenleitungen.

2008 wird die Fachstelle Prävention der Glücksspielsucht in der LZG etabliert, die im Auftrag der Landesregierung alle Angebote zum Thema Prävention der Glücksspielsucht in Rheinland-Pfalz koordinieren und fachliche Beratung anbieten soll. Ihr Kooperationspartner ist das Kompetenzzentrum Verhaltenssüchte an der Universitätsmedizin Mainz.

Ein Mädchen dreht an einem Glücksrad
©LZG/DennisMöbus

Wesentliche Ziele der Fachstelle sind die Vernetzung und der Austausch mit den 18 Regionalen Fachstellen Glücksspielsucht, die Unterstützung von Modellprojekten in den Regionen, die Fortbildung verschiedener Zielgruppen sowie die Sensibilisierung der Öffentlichkeit zum Thema Glücksspielsucht. Ein besonderer Schwerpunkt liegt zeitweise auf dem Thema Sportwetten, da diese durch die zunehmende Präsenz und leichte Zugänglichkeit im Internet eine besondere Gefahr darstellen.

Den landesweiten Aktionstag zur Prävention der Glücksspielsucht, der jedes Jahr im September stattfindet, nutzen die Fachkräfte der Regionalen Fachstellen, um über das Krankheitsbild zu informieren und Wege der Hilfe und Selbsthilfe aufzuzeigen. Für die zentrale Veranstaltung in der Mainzer Innenstadt lässt sich die Fachstelle meist aufmerksamkeitsstarke Inszenierungen einfallen.

Gründung der LZG-Akademie

Das Landesglücksspielgesetz, das Veranstalter und Vermittler von Glücksspielen dazu verpflichtet, der Entstehung von Glücksspiel- und Wettsucht vorzubeugen, führen 2016 zur Gründung der LZG-Akademie gGmbH. Die LZG-Akademie wird von der aufsichtführenden Behörde als Anbieterin der gesetzlich vorgeschriebenen Schulungen anerkannt. Feste Schulungskooperationen werden mit Lotto Rheinland-Pfalz sowie mit den staatlichen Spielbanken Bad Neuenahr und Mainz und ihren weiteren Betriebsstätten geschlossen. Es ist anerkennenswert, dass diese Kooperationspartner die gesetzlichen Bestimmungen zum Spieler- und Jugendschutzschutz und zur Prävention der Glücksspielsucht sehr ernst nehmen. Sie sprechen sich ausdrücklich für einen verantwortungsvollen Umgang mit dem Spiel aus und weisen auf ihren Websites auf Beratungsangebote sowie auf die Möglichkeit der Fremd- und Selbstsperre hin.

Mehr als 5.200 Beschäftigte von Spielhallen, Spielbanken, Lotto-Annahmestellen, Sportwett-Büros und Gaststätten mit Glücksspielautomaten werden zum Beispiel 2022 für problematisches Spielverhalten sensibilisiert. Sie erhalten rechtliche Kenntnisse sowie Grundwissen zu Ursachen, Symptomen und Verlauf von suchtanfälligem Spielverhalten, lernen Gesprächsführungstechniken kennen und werden über Hilfsangebote für Betroffene und deren Angehörige informiert.

Suchtprävention als Landesaufgabe

Wie zwei andere Themenbereiche wechselt auch das Aufgabengebiet Suchtprävention Ende 2021 von der LZG in die Zuständigkeit des Landesamtes für Soziales, Jugend und Versorgung. Die Inhalte der LZG-Akademie bleiben davon unberührt – sie führt weiterhin jährlich mehrere Tausend Schulungen zur Glücksspielsuchtprävention durch.

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